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Interview mit Dr. Daniela Heidtmann

Das ist ein Interview mit Dr. Daniela Heidtmann über ihre persönlichen Erfahrungen, ihre Kinder  glücklich ins Bett zu bringen. Die Autorin von „It’s Buddha Time“ hat mit mir über ihren Weg gesprochen, wie sie es geschafft hat, Achtsamkeit in ihr Leben und das ihrer Kinder zu bringen.

Vor einer Woche habe ich am Freitag Abend Danielas offene Meditationsgruppe zum Thema „ Möglichkeiten der Atembeobachtung“ besucht. In sanftem Kerzenlicht hat Daniela unsere kleine Gruppe dabei angeleitet Meditationen im Liegen, Sitzen, Gehen und in sanften Yogaübungen durchzuführen. Dabei hat sie uns einige Weisheiten ihres Lehrers Thich Nhat Hanh übermittelt, über ihre eigenen Erfahrungen mit Meditation gesprochen und uns eine Achtsamkeitsübung beigebracht, die scheinbar von Buddha selbst stammt.  Es waren wunderbare 75 Minuten, die mir sehr viel kürzer vorgekommen sind und mich komplett entspannt haben. Im Nachgang haben Daniela und ich uns nochmals auf unsere Yogamatten gesetzt und darüber gesprochen, wie sie Achtsamkeit als Abendritual bei ihren Kindern etabliert hat.

Zu welchem Zeitpunkt hast Du bei Deinen Kindern mit dem Yoga-Abendritual angefangen?

Ich war in der Yogalehrerausbildung, als mein Sohn auf die Welt kam. Wir hatten einen sehr anstrengenden Familienstart mit vielen schlaflosen Nächten. In diesen hat mir vor allem das Singen von Mantras und die bewusste Entspannung sehr geholfen. Eigentlich habe ich damit angefangen, Achtsamkeit in die verschiedensten Alltagsdinge zu integrieren, als mein Baby noch ganz klein war, z.B. während des Wickelns, Badens, Fütterns, Einschlafens. Ich würde auch allen Eltern raten, sofort damit zu starten, denn es ist nie zu früh, um seine Kinder achtsam zu begleiten und glücklich ins Bett zu bringen.

 

Als mein Großer dann im Kindergarten war, konnte ich beobachten, wie er immer mehr Dinge, die mein Mann und ich gemacht haben, nachgeahmt und auch nachgespielt hat. Wenn wir Yoga geübt haben, war er selbstverständlich auch dabei und hat ganz natürlich mitgemacht. In der Kobra und der Vorwärtsbeuge war er damals um Längen besser als wir (lacht)…

 

Das Abendritual, wie ich es im Buch beschrieben habe, ist über viele Jahre aus dem Alltag heraus entstanden und wir haben es immer wieder an unsere aktuellen Gegebenheiten angepasst, so z.B. auch als unsere beiden Töchter dazu kamen. Unsere mittlere Tochter ist 4 Jahre jünger als ihr Bruder und 6,5 Jahre älter als ihre Schwester. Zuerst hat sie beim Abendritual unseres Sohns mitgemacht und später, als unsere kleine Tochter auf der Welt war, habe ich das Abendritual gemeinsam mit den beiden Mädchen durchgeführt, während der Große noch gelesen hat. Zu ihm kam ich dann anschließend zum Gespräch oder für eine kleine Massage …

 

Es funktioniert eigentlich wie ein gemeinsames Abendessen in der Familie. Alle Familienmitglieder werden in die Gespräche miteinbezogen, jeder hat seine aktuellen Themen und Bedürfnisse und jeder bekommt den Raum, den er braucht und auf eine Weise, die für ihn gerade stimmig ist. Das Abendritual ist sehr flexibel!

Erzählen Deine Kinder ihren Freunden in der Schule oder im Kindergarten davon?

Nicht nur, dass sie davon erzählen. Es ist auch so, dass Freunde meiner Kinder zu Besuch sind und sie mich darum bitten, mit ihnen Yoga zu üben oder eine Yogageschichte zu erzählen. Wir habe schon Yogageburtstagsparties gefeiert, die ganz unter dem Motto „Yogaland“ standen …

Welche extremen Erfahrungen hast Du bisher bei Eurem Yoga-Abendritual gemacht?

Keine, aber wir zwingen es weder uns noch unseren Kindern auf.

Was empfiehlst Du Eltern, die das Buch gelesen haben und das Yoga-Abendritual gerne umsetzen würden, aber von ihrem Partner oder einem der älteren Kinder Widerstand diesbezüglich erhalten?

Meiner Erfahrung nach finden es alle Kinder schön, wenn sie eine intensive Zeit mit Mama und/oder Papa vor dem Schlafengehen verbringen dürfen und die natürliche Nachahmung der Eltern durch die Kinder, über die ich in meinem Buch spreche, macht es sehr leicht, das Abendritual bei Kindern einzuführen. Da ist also wenig Widerstand zu erwarten. Wenn ein Elternteil das Yogaabendritual nicht machen möchte, finde ich das auch völlig in Ordnung. Für die Kinder ist das doch eigentlich normal, dass Mama und Papa auch einige Dinge unterschiedlich machen. Meine Mädels lieben zum Beispiel meine frei erfunden und komplett improvisierten Einhorngeschichten, aber genauso freuen sie sich darauf, wenn am Abend darauf der Papa eine Gutenachtgeschichte aus einem Buch vorliest.

Wie Du Yoga und Achtsamkeit in Deinen Alltag integrierst, hast Du in dem Buch schön beschrieben. Wie sieht das bei Dir diesbezüglich am Wochenende und im Urlaub aus?

Im Urlaub oder auch am Wochenende brauchen wir das Yogaabendritual nicht immer. Weil wir da meistens schon tagsüber sehr viele schöne gemeinsame Dinge erleben, haben unsere Kinder dann meistens gar nicht das Bedürfnis, nochmals viel  Zeit mit uns zu verbringen, bevor sie einschlafen. Wenn die Kinder durch liebevolle Zuwendung und Erlebnisse am Tage schon „satt“ sind, brauchen sie das Abendritual weniger. Im Urlaub gehen unsere Kinder manchmal sogar alleine ins Bett.

Ein Yoga-Abendritual ist eine Möglichkeit intensiv Zeit mit unseren Kindern zu verbringen, wenn man tagsüber nicht so viel Zeit füreinander hat, was ja in einem normalen Alltag mit Kindergarten, Schule, Arbeit und so weiter oft der Fall ist.

 

Wir haben aber im Urlaub oder am Wochenende auch schon tagsüber zusammen geübt. Auf dem Boden im Kreis sitzend gesungen und der anschließenden Stille gelauscht. Die Kinder wissen, dass sie den Kreis jederzeit verlassen können, wenn sie möchten. Mein Mann und ich dürfen aber „im Gegenzug“ auch noch etwas in der Stille sitzen, wenn die Kinder schon wieder spielen.

Als ich Dein Buch gelesen hatte, war mein erster Gedanke: gleich umsetzen. Der zweite Gedanke, davon sollte es noch mehr Bücher geben. In Deinem Interview mit Lotte Laib habe ich gelesen, dass Du Dir das auch vorstellen könntest:

- It’s Buddha Time 2: Mit Yoga und family glücklich in und durch den Tag

- It’s Buddha Time 3: Freudvoll durch Schwangerschaft, Geburt und erste Jahre

- It’s Buddha Time 4: Achtsames Yoga für glückliche Paare (oder solche, die es werden wollen)

zu schreiben. Wir realistisch ist das aktuell?

Meine Verlegerin, Dr. Judith Schulz, und ich haben uns vorgenommen nach Weihnachten konkret darüber zu sprechen, ob und wie wir ein weiteres Buch veröffentlichen wollen.

 

Ich fände so eine Serie übrigens sehr interessant und hätte auch gleich noch weitere Vorschläge:

- It’s Buddha Time 5: Mit Yoga und Arbeit harmonisch und glücklich durch die Arbeitswoche

- It’s Buddha Time 6: Achtsamkeit und Wertschätzung für Verhandlungen und Streitgespräche

- It’s Buddha Time 7: Mit Yoga achtsam Stress bewältigen

Und weil 8 meine Lieblingszahl ist:

- It’s Buddha Time 8: Mit Yogamatte im Gepäck glücklich reisen

 

(Daniela lacht) Das wären ganz schön viele Bücher. Mal sehen, was sich machen lässt. ;-)

Wenn Du einen Wunsch hättest, was wäre das?

Lokah samastah sukhino bhavantu (und alle, die noch nicht wissen, was das bedeutet, können es in „It`s Buddha Time“ nachlesen …)

 

Vielen herzlichen Dank liebe Daniela für das offene Gespräch, das lockere Interview und die entspannte Meditation!

 

 

 

Das Buch von Dr. Daniela Heidtmann "It's Buddha Time: Mit Yoga die Kinder glücklich ins Bett und endlich Stille für mich" ist im Highline Verlag erschienen und trägt die ISBN 978-3-946865-00-1

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